Medienserver mit OpenMediaVault einrichten

Christian Böttger 10 Dez 2014 0 Kommentare
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Die Anleitung ist für Anfänger gedacht, die sich einen Medienserver mit Openmediavault für Filme, Serien etc. einrichten möchten und Wert auf Ausfallsicherheit legen. (Es darf eine Festplatte ohne Datenverlust ausfallen.) Dieses kleine Howto habe ich beim stöbern im Netzt gefunden, den Link dazu findet Ihr am Ende des Artikels.

Medienserver mit OpenMediaVault Voraussetzungen:

Für die Installation wird eine kleine SSD/HDD benötigt, auf der nur das Betriebssystem installiert werden kann – 4GB würden schon reichen. (Ein USB Stick mit Wear Leveling ist auch ok, von normalen USB Sticks sollte wegen der hohen Schreiblast abgesehen werden.) Dazu benötigt ihr eine HDD für die Parity und wahlweise 2-3 HDD’s für die Daten. Es ist ausdrücklich zu empfehlen, dass sich keine Daten auf den Festplatten befinden! Ihr könnt zwar eure normalen, NTFS formatierten Festplatten mit Daten, als Daten-HDD‘s verwenden – ihr macht euch als Anfänger das Leben aber selber unnötig schwer und riskiert, wenn ihr etwas falsch macht, einen Datenverlust. Außerdem sollte aus Performancegründen ext4 als Dateisystem bevorzugt werden.

Für den Server selbst gibt es relativ wenig Voraussetzungen. Man kann auf günstige fertige Lösungen (z.B. Dell T20, HP MicroServer…) zurückgreifen oder sich selbst einen Server zusammenstellen. Es ist mit jedem handelsüblichen Mainboard möglich. Im Optimalfall sollte man ein Board mit integrierter Intel Netzwerkkarte bevorzugen. Neue Atheros Chips werden in der aktuellen Version z.B. nur über Umwege unterstützt. Ein kleiner Celeron Prozessor (z.B. G1840) und 4GB Ram sind mehr als ausreichend. Im Idle-Verbrauch liegt so ein Server irgendwo in der Größenordnung von ca. 25W.

 

Medienserver mit OpenMediaVault Anleitung:

Schritt 1:

Zunächst ladet ihr euch die aktuelle Version von OMV runter (wenn ihr eine 64 Bit CPU habt, nehmt die x64 Version). Danach ladet ihr euch das Programm unetbootin herunter und erstellt einen bootbaren USB Stick mit dem OMV Image. Schließt nur die SSD an und installiert das Betriebssystem. Eine Internetverbindung (via LAN-Kabel) muss vorhanden sein. Die Installation ist ziemlich selbsterklärend oder Ihr lest diesen Artikel.

Schritt 2:

Ist die Installation abgeschlossen, logt euch über den Browser ein. Dazu gebt ihr die vom Server angezeigte IP Adresse ein. User = admin, Passwort = openmediavault. Schon seid ihr auf dem Server. Ist das geglückt schaltet den Server wieder aus.

Schritt 3:

Schließt alle eure Festplatten an und Startet den Server. Logt euch über die WebGUI ein und geht zum Punkt „Dateisysteme“. Dort klickt ihr auf „Erstellen“. Wählt ein Laufwerk, gebt eine Bezeichnung ein (z.B. hdd1), wählt ext4 als Dateiformat und klickt auf ok. Das wiederholt ihr für alle eure Festplatten. Danach wählt ihr nacheinander die Festplatten aus und klickt auf einbinden.

Das ganze sollte am Ende ungefähr so aussehen:

Medienserver mit OpenMediaVault Dateisysteme

Medienserver mit OpenMediaVault Dateisysteme

Schritt 4:

Nun erstellen wir einen Benutzer und eine Freigabe für den Medienserver mit OpenMediaVault.

Dazu klicken wir zunächst auf dein Reiter Benutzer. Dort geben wir einen Namen und Passwort ein und bestätigen mit ok.

Im Menüpunkt Freigegebene Ordner klicken wir auf Hinzufügen. Geben einen Ordnernamen (z.B. Filme) ein und wählen ein Laufwerk. Wenn ihr hdd1 als Parity Platte benutzen wollt, wählt entweder hdd2 oder hdd3. Danach auf speichern klicken. Wählt den Ordner und klickt auf „Privilegien“. Dort könnt ihr die Zugriffsrechte definieren. Für euren Benutzer setzt ihr ein Häkchen bei „Lesen/Schreiben“ und klickt auf speichern.

Medienserver mit OpenMediaVault Benutzer anlegen

Medienserver mit OpenMediaVault Benutzer anlegen

Um nun von Windows auf den Ordner zugreifen zu können, müssen wir eine Samba Freigabe erstellen. Klickt auf den Menüpunkt SMB/CIFS. Solltet ihr eure Workgroup geändert haben tragt die dementsprechende Bezeichnung ein, andernfalls setzt einfach ein Häkchen bei aktivieren -> Speichern, Anwenden. Danach klickt auf den Reiter Freigaben und dort auf Hinzufügen. Wählt den Ordner Filme, vergebt einen Namen (z.B. Filme ^^) klickt auf Speichern und danach wie immer auf Anwenden.

Jetzt solltet ihr über das Windows Netzwerk auf den Ordner/Server zugreifen können. Ihr werdet beim Zugriff auf den Ordner nach einem Benutzernamen und Passwort gefragt. Tragt dort den zuvor erstellen Benutzernamen + zugehöriges Passwort ein. Wenn ihr den Ordner Filme seht und darauf zugreifen könnt ist der erste Meilenstein erreicht.

Schritt 5:

Weiter geht’s mit: Snapraid installieren! Ladet euch vorbereitend das OMV extras plugin herunter.

Klickt auf den Menüpunkt Erweiterungen, Hochladen und gebt als Quelle das OMV Extras Plugin an. Danach sucht ihr es in der Liste (Bezeichnung: openmediavault-omvextrasorg) und installiert es.

Danach taucht in der Liste ebenfalls Snapraid auf, markieren das Plugin und klicken auf installieren. (Unten auf der Seite kann mit dem Pfeil nach rechts auf Seite 2 Wechseln.) Nach der Installation sollte unter dem Menüpunkt Dienste, der Punkt SnapRaid auftauchen. Dort klickt ihr auf Laufwerke – Hinzufügen. Wählt zunächst die Parity-HDD, gebt als Namen den Laufwerksnamen erneut ein und setzt ein Häkchen bei Parität. Bei den Datenplatten wird das gleiche Spiel wiederholt, allerdings wird jeweils ein Häkchen bei Inhalt und Daten gesetzt.

Medienserver mit OpenMediaVault Snapraid

Medienserver mit OpenMediaVault Snapraid

Schritt 6:

Nun müssen wir den MySql-Server installieren, dies könnt ihr über das Menu Erweiterungen machen. Wenn die Installation abgeschlossen ist müsst Ihr den Server einrichten und starten, das mach Ihr über den Menüpunkt „MySQL“ auf der linken Seite.

Schritt 7:

Nun wird es Zeit Greyhole auf dem Medienserver mit OpenMediaVault zu installieren.

Klickt auf den Menüpunkt OMV-extras.org, dort auf Sekundär und setzt ein Häkchen bei „Greyhole“. Speichern….

Danach installiert ihr unter Erweiterungen das Greyhole Plugin. Geht auf den, neu erschienen, Punkt Dienste -> Greyhole. Tragt das MySQL root Passwort ein und klickt auf „Install DB“. Die Greyhole Datenbank wurde damit in MySQL erstellt. Setzt ein Häkchen bei aktivieren & bei „Erstelle eine Samba Freigabe mit dem Namen Greyhole Trash….“ (und wählt eine zugehörige Daten HDD für die Freigabe aus).

Medienserver mit OpenMediaVault Greyhole

Medienserver mit OpenMediaVault Greyhole

Danach klickt ihr auf Pools und fügt die beiden Daten HDD’s hinzu. Als minimalen Speicherplatz wählt ihr 10GB.

Medienserver mit OpenMediaVault Pool anlegen

Medienserver mit OpenMediaVault Pool anlegen

Danach wechselt ihr zum Reiter Samba Freigabe und klickt auf hinzufügen. Im darauf erscheinenden Fenster: SMB-Freigabe auswählen (= Filme), Anzahl der Kopien = 1, Papierkorb benutzen = ja.

(Anzahl der Kopien = 2 würde einem Raid 1 entsprechen. Das ist der Punkt der später für eure häufig veränderten Daten interessant ist.)

Schritt 8:

Es ist fast geschafft! Nun fehlt nur noch der letzte Feinschliff. Zunächst gehen wir nochmal auf den Punkt „SMB/CIFS“ und Tragen in Zusätzliche Optionen folgendes ein:

unix extensions = no
wide links = yes

Danach wechseln wir in SMB/CIFS zum Reiter Freigaben, wählen den Ordner Filme, scrollen ganz hinunter und tragen dort unter zusätzliche Optionen folgendes ein:

dfree command = /usr/bin/greyhole-dfree
vfs objects = greyhole

Die beiden Zeilen müssen für alle, von euch erstellten, Freigaben eingetragen werden!

Jetzt wechseln wir zu Snapraid in den Reiter „Regeln“. Wählen die Festplatte aus, auf der die SQL Datenbank liegt (hdd2 -> greyholeSQL), wählen den Ordner GreyholeSQL, Regeltyp = Ausschluss und klicken auf Speichern. Die Datenbank wird ständig verändert und würde uns die Parity zerstören. Zusätzlich muss auf allen Daten-HDD’s der Ordner /.greyhole/.gh_trash/ ausgeschlossen werden. Zu guter letzt noch der Samba Papierkorb /Greyhole Trash/ den ihr zuvor auf einer eurer Daten HDD’s angelgt habt.

Es ist möglich, dass /.greyhole/.gh_trash/ noch nicht existiert (oder nur auf einer der Daten-HDD’s). Dann wird er erst erstellt, wenn ihr erstmalig Daten von der entsprechenden Festplatte gelöscht habt. Nicht weiter tragisch, den Exclude kann man auch später noch nachtragen. Beachtet bitte, dass Greyhole nicht in Echtzeit arbeitet. Wenn ihr Daten löscht, sind diese oft erst nach 10 Minuten und / oder einem Reboot des Servers im Papierkorb zu sehen.

Schritt 9:

Das Ende ist in Sicht! Es folgt nur noch ein Funktionstest.

Kopiert ein paar Dateien in den Ordner Filme. Ihr solltet unter Greyhole -> Pools beobachten können, wie die Speicheranzeige steigt. Wenn die HDD’s gleichgroß sind und ein paar GB kopiert werden, solltet ihr sogar beobachten können, wie die Daten nach kurzer Zeit auf den Festplatten verteilt werden.

Funktioniert alles, wechselt zu Snapraid -> Laufwerke und drückt „Synchronisieren“. Es wird nun die Parity Platte beschrieben. Nachdem die Synchronisierung fertig ist, sind die Daten sicher.

Löscht über die Windows Freigabe wieder ein paar Dateien aus dem Ordner und wartet ~10 Minuten. Sollte ihr unter Greyhole -> Pools nichts im Papierkorb sehen (sondern nur N/A) startet den Server neu. Danach sollten Daten im Papierkorb sein.

Wechselt zu Snapraid -> Laufwerke und drückt Diff. Die gelöschten Daten sollten aufgelistet werden. Drückt danach wieder auf Synchronisieren. Wechselt zurück zu Greyhole und klickt auf Papierkorb leeren. (Spätestens jetzt sollte man auch den Ordner .greyhole_trash finden können.)

Hat alles geklappt ist euer Server fertig eingerichtet. Ihr könnt nun eure Daten auf den Server kopieren und anschließen einen Sync durchführen.

Viel Spaß mit eurem Server!

Schritt 10 Optional:

Automatischer Sync beim Medienserver mit OpenMediaVault

Solltet ihr nicht immer manuell synchronisieren wollen, müsst ihr dies mit einem Cronjob automatisieren. Allerdings muss dafür zunächst ein Skript erstellt werden. Dafür geht an den Server, logt euch als Root ein und gebt folgendes ein:

cd ..
cd /usr/local/bin/
touch snapsync
nano snapsync

->>> jetzt öffnet sich ein Editor. Tragt das folgende ein und speichert.

#!/bin/bash
snapraid syncv

Zurück zur WebGUI -> Extras. Installiert das Plugin Anacron, wechselt zum Menüpunkt „Geplante Aufgaben“ – Anacron. Jetzt klickt auf hinzufügen: Period = daily, Delay = 10, Identifier = snapsync, Kommando = snapsync. Speichern.

Ab jetzt wird das Skript automatisch jeden Tag, 10 Minuten nach dem Serverstart ausgeführt.

Das ganze kann man noch einmal mit dem Befehl snapraid scrub wiederholen und wöchentlich ausführen lassen. Das Überprüft zusätzlich noch die Daten und Parity auf Fehler.

 

Nun bin ich auch schon am Ende des Artikel’s, vielen Dank an den Autor dieses kleinen Howto.

 

Quelle: Medienserver Einrichten – OpenMediaVault (OMV) + SnapRaid + Greyhole

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